nachwuchstalente

Foto HendrikHallo Hendrik! Du bist ja nicht nur Vorstand Finanzen hier bei Buteo, sondern auch eine feste Größe zwischen den Pfosten bei der zweiten Männermannschaft der HSG Chemnitz. Wie hast du dich denn während der Zwangspause durch Corona fit gehalten? Und wann konntet ihr endlich wieder ins Training starten?

Hallo und vielen Dank für eure Vorbereitung des Interviews. Die Zwangspause war zu Beginn nicht so leicht zu verdauen. Aber sobald das Wetter besser wurde, haben sich auch Möglichkeiten zum individuellen Training ergeben. Hier habe ich mich an den Trainingsplänen für meinen Sohn Maximilian orientiert und mich mit ihm gemeinsam fit gehalten. Jetzt waren wir sehr froh, dass wir seit 18.05. wieder mit der Mannschaft in der Halle trainieren konnten und es war sehr schön, die Mannschaftskameraden wieder zu sehen. Schließlich ist Handball ja keine Individualsportart, sondern zeichnet sich ja durch das gemeinschaftliche Erlebnis aus.

 

Viele engagieren sich als Ausgleich zu ihrer Arbeit in sozialen Einrichtungen wie Sportvereinen, deine Arbeit hier ist ja wahrscheinlich ähnlich wie deine tagtägliche Arbeit im Büro. Wie kam es zu deinem Engagement?

Ich bin ja erst seit vier Jahren handballerisch in Chemnitz bei der HSG Rottluff/Lok Chemnitz tätig. In dieser Zeit habe ich viele neue Kontakte geknüpft und man kommt auch ins Gespräch zu beruflichen Fragen. So gab es seit den ersten Gedanken von Nicolas zur Gründung eines neuen Vereins zahlreiche Gespräche zum formellen Ablauf der Vereinsgründung und natürlich auch zu finanziellen und steuerlichen Fragen und Antworten. Außerdem möchte ich auch langfristig nicht nur als Spieler, sondern auch als sogenannter Funktionär im Handballsport in Chemnitz aktiv sein.

 

Erzähl mal, was genau ist dein Aufgabenbereich als Vorstandsmitglied bei Buteo?

Rein formell gesehen bin ich als Vorstandsmitglied für den Bereich Finanzen zuständig. Natürlich stehe ich auch mit meinen Erfahrungen als Spieler zur Verfügung und gebe meine Erfahrungen an die jungen Spieler weiter, z.B. durch geplante Torhütertrainingseinheiten. Wir diskutieren aber unter den Vorstandsmitgliedern alle anstehenden Entscheidungen. Somit sollte man seinen Aufgabenbereich nicht so eng betrachten und Entscheidungen ganzheitlich aus sportlichen, finanziellen und auch gesellschaftlichen Gesichtspunkten treffen.

 

Die Gründungsveranstaltung des HC Buteo Chemnitz war gegen Ende des letzten Jahres, wie schätzt du die Entwicklungen seit dieser Zeit ein und welche Ziele sollen primär verfolgt werden?

Die Gründungsplanung war sehr ambitioniert. Aber der von Nicolas verfolgte Ablaufplan wurde sehr gut eingehalten und wir sind optimistisch planmäßig zur Saison 2020/2021 mit einer Mannschaft der D-Jugend an den Start zu gehen. Die handballerische Unterbrechung seit Mitte März haben wir gut genutzt um die Planung für die Saison vorzubereiten. Grundsätzlich soll diese Saison ein Testlauf sein. Deshalb wird zunächst auch nur ein Team am Spielbetrieb teilnehmen. Ab dem Spieljahr 2021/2022 sollen dann in jährlichem Rhythmus weitere Jugendmannschaften dazukommen.

 

Und wo siehst du Buteo in 10 Jahren?

Nach unserer Planung soll bis dahin ein in Sachsen etablierter leistungsorientierter Jugendverein entstanden sein, der viele sehr gut menschlich und sportlich ausgebildete junge Handballspieler hervorbringt. Diese Talente sollen auch für die hiesigen Vereine in Chemnitz den Grundstock für ihre zukünftigen Mannschaften bilden. Ich hoffe persönlich sehr, dass uns dies gut gelingt, bis dahin werden wir als Vorstandsteam sicher noch viele Hürden nehmen müssen.

 

Was könnte in den kommenden Jahren die wohl größte Herausforderung werden für Buteo als noch „jungen“ Handballverein?

Zunächst wird das oberste Ziel sein ein solides Fundament in personeller und finanzieller Hinsicht aufzubauen. Zum Einen braucht es für die Umsetzung der sportlichen Ziele eine Menge guter Trainer und Betreuer, die langfristig für den HC Buteo tätig sind. Zum Anderen wird die Suche nach Sponsoren für das ehrgeizige Projekt eine große Herausforderung werden. Es gilt, den Verein in Chemnitz und Umgebung bekannt zu machen. Dieses Fundament wird dann die Basis für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit mit den Kindern/Jugendlichen und deren Eltern werden.

 

Wie zufrieden bist du generell mit der Entwicklung, die der Handball in Chemnitz genommen hat?

Da ich bis zum Jahr 2016 als Spieler in Annaberg-Buchholz tätig war, kann ich mich zur Vergangenheit nur schwer äußern. Es verwundert aber schon, dass der Handballsport in einer Stadt wie Chemnitz in den vergangenen beiden Jahrzehnten wenig erfolgreich war. Seit dem Jahr 2017 wurde viel für den Nachwuchshandball getan und man spürt eine Aufbruchstimmung. Dabei freut es mich besonders, dass dies nicht durch Zukäufe im Erwachsenenbereich passiert, sondern nachhaltig durch sehr gute Jugendarbeit erfolgt. Das wird mittel- und langfristig gesehen auch seine Spuren im Erwachsenenbereich hinterlassen. Das braucht natürlich alles noch etwas Zeit. Da sind wir vielen Vereinen in Sachsen mittlerweile einen Schritt voraus und man hat schon den Eindruck, dass von außen auf unser Projekt sehr positiv geschaut wird.

 

Ein Sportverein ist immer auf die Spendenbereitschaft oder das Sponsoring angewiesen. Nun haben viele Unternehmen selbst zu kämpfen, ihren Betrieb am Laufen zu halten. Wie sehr ist denn Buteo wirtschaftlich von dem Coronavirus betroffen?

Die Ausbreitung der Pandemie kam für uns wie sicher für alle Bürger und Institutionen zur Unzeit. Trotzdem haben wir unsere Planung weitergeführt und werden auch potentielle Sponsoren auf verschiedenen Wegen ansprechen. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die wirtschaftliche Situation in der Region entwickelt. Da bestehen sicher Risiken. Die vermehrte Bereitschaft zum Sponsoring ist da von einer positiven Wirtschaftsentwicklung abhängig. Aber wir erhoffen uns auch Chancen, mit unserem Angebot eine nachhaltige Entwicklung im Kinder- und Jugendbereich aufzubauen. Im Vordergrund steht nicht der kurzfristige Erfolg, sondern die langfristige Förderung. Deshalb sehen wir auch Chancen für unser Modell gestärkt aus den Folgen der Coronapandemie hervorzugehen.

 

Trotz aller Schwierigkeiten, warum glaubst du an das Projekt und schaust dennoch optimistisch auf alles was da in Zukunft noch kommt?

Der Aufbau eines neuen Vereins ist immer mit kleineren und größeren Schwierigkeiten verbunden. Es gilt einfach diese anzugehen und zu bewältigen. Wichtig ist dabei immer, die gesetzten Ziele fest im Auge zu behalten. Ich stehe als Vorstandsmitglied auf jeden Fall hinter den Ideen und Strategien unseres gegründeten Vereins und bin trotz aller Probleme und Unklarheiten für die kommende Saison optimistisch, dass unser Projekt erfolgreich sein wird.

 

Du spielst selbst noch aktiv Handball, dein Sohn spielt bei Buteo...besteht dein Leben eigentlich komplett aus Handball oder gibt es handballfreie Zeiten?

Die Freizeit und der private Terminplan richten sich seit vielen Jahren ganzjährig nach dem Handball. Aber auch deshalb wirkt sich die Tätigkeit bei Buteo positiv aus. Unser Sohn spielt selbst aktiv, meine liebe Frau Nicole unterstützt den Verein mit ihrer Tätigkeit im erweiterten Vorstand im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und ich bin selbst bekanntermaßen als Vorstand Finanzen tätig. So können wir in der Familie unsere Freizeit mit einem gemeinsamen Hobby organisieren und auch die Zeit miteinander verbringen. Aber keine Angst, es gibt auch Momente im Leben, in denen der Handball keine Rolle spielt.

 

Was wünscht du dir noch für die Zukunft?

Ganz allgemein natürlich, dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht und wir das Leben genießen können. Auf den Sport bezogen wünsche ich mir, dass sowohl die Handballer als auch alle anderen Sportarten, egal ob im Leistungs- oder Breitensport sich wieder ihrem Sport widmen können. Die verbindende Wirkung des Sports für die Gesellschaft ist enorm wichtig und das hat in den letzten Wochen sehr gelitten.

 

Vielen Dank für deine Zeit und deinen Einsatz.

Wir wünschen alles Gute und gutes Gelingen als Vorstand sowie als Torhüter bei der HSG Chemnitz!

gruber kmstHallo Nicolas! Dein Name ist in Chemnitz und Umgebung unweigerlich mit aktiver Nachwuchsförderung im Handball verbunden. Nun wurde noch der HC Buteo gegründet, dem du als Vizepräsident und Sportlicher Leiter unterstehst. Was treibt dich an? Und welche Ziele verfolgst du mit Buteo?

Gruber: Zunächst bereitet es mir erst einmal unfassbar viel Freude mit Kindern und Jugendlichen der gemeinsamen Leidenschaft Sport nachzugehen. Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man seine eigene Handschrift im Spiel der Jungs zum Beispiel durch bestimmte Bewegungen oder eine besondere Finte wiederentdeckt. Am schönsten ist es zu sehen, wenn nach einiger Zeit der ein oder andere auch neben mir auf der Platte steht oder ich bei ihren Spielen als Zuschauer oder im Liveticker mitfiebern kann.

Außerdem bin ich auch leidenschaftlicher Chemnitzer und mir ist es ein großes Anliegen, den Handball hier in der Region Chemnitz nach und nach weiter zu etablieren. Damit dies auch nachhaltig gelingen kann, ist es wichtig, für alle unsere Nachwuchssportler passend zu ihren Ambitionen eine sportliche Heimat zu finden. So betreiben wir bei der HSG Chemnitz, aber auch viele andere Vereine, wie z.B. der HV Grüna, Burgstädter HC oder der BSV Limbach-Oberfrohna) tolle Arbeit bei der breitensportlichen bis hin zur leistungsorientierten Ausbildung der Jungs. Der HC Buteo Chemnitz bietet mit dem Leistungssport im Jugendbereich das noch fehlende Puzzleteil in der Region und soll für die Talente aus dem Chemnitzer Umkreis eine Anlaufstelle werden.

 

Chemnitz soll nach Leipzig, Aue und Dresden eine weitere Kraft im Nachwuchshandball in Sachsen werden. Wie gehst du dieses Ziel an und welche Weichen wurden bei Buteo bereits gestellt?

Gruber: Wir wollen uns mit den Besten in Sachsen messen, dazu brauchen wir natürlich auch Strukturen, die das ganze ermöglichen. In dem Moment, wo ein Kind mindestens vier mal in der Woche trainiert, muss aufgepasst werden, dass andere Bereiche wie Gesundheit, charakterliche und schulische Entwicklung nicht zu kurz kommen, damit ein solches Trainingspensum überhaupt möglich ist. Deswegen haben wir bei Buteo als erstes Strukturen geschaffen, die es uns ermöglichen, nicht nur auf dem Handballparkett mit den Jungs zu arbeiten. Mit Dr. Agnes Klafki konnten wir eine Ärztin für uns gewinnen, die sich um die sportmedizinische Betreuung unserer Nachwuchsathleten kümmert und mit Constance Gruber eine Lehrerin, die uns bei der pädagogischen und schulischen Betreuung zur Seite steht. Damit war es uns möglich, bereits die ersten wichtigen Schritte in die richtige Richtung zu gehen.

 

In der Saison 2020/21 geht der HC Buteo erstmals mit einer D-Jugend-Mannschaft in den Spielbetrieb. Was steht bis zum Saisonstart noch auf deiner To-Do-Liste? Und welche Erwartungen hast du an die kommende Saison?

Gruber: Zunächst haben uns vor allem die administrativen Hürden der Vereinsgründung sehr viel Zeit und Energie gekostet. Allerdings haben wir es vor allem dank Nicole, Hendrik und Lars geschafft, in kürzester Zeit die Neugründung abzuwickeln, sodass wir sogar schon in den Meldelisten für die nächste Saison zu finden sind. So haben wir nur noch ein paar kleine Hausaufgaben in diesem Bereich zu erledigen, um dann auf die nächste, schon jetzt besondere, Saison perfekt vorbereitet zu sein.

Sportlich gesehen treten wir in der Altersklasse der U 13 mit einem rein jüngeren Jahrgang in der höchstmöglichen Spielklasse, der Sachsenliga, an. Da besonders in den noch frühen Altersklassen die altersbedingte Körperlichkeit entscheidend ist, werden wir es mit dem sehr jungen Team nicht leicht haben. Dafür haben wir aber die Möglichkeit, schon jetzt viele wichtige Erfahrungen für die kommenden Spielzeiten zu sammeln.

 

Aufgrund der aktuellen Lage rund um die Corona-Krise ist ein Mannschaftstraining derzeit nicht möglich. Welche Vorbereitungen zur Saison können unabhängig davon getroffen werden und wie halten sich z.B. die jungen Spieler fit?

Gruber: Aktuell wackeln leider Turnierteilnahmen, Mannschaftstraining und Trainingslager im Rahmen der Saisonvorbereitung. Damit die Jungs weitestgehend fit bleiben, haben sie vom Trainerteam individuelle Trainingspläne erhalten, um sich auch unter den derzeitigen Umständen weiterentwickeln zu können.

 

Unter welchen Bedingungen kann die Vision des Vereins, sich perspektivisch als Nachwuchsleistungszentrum in Sachsen in den nächsten Jahren zu etablieren, gelingen?

Gruber: Auch hier sind wieder unsere Strukturen im Verein gefragt. Über ein Lizenzierungsverfahren vergibt der DHB das Zertifikat eines Nachwuchsleistungszentrums. Es gibt einen großen Katalog an Kriterien, den es in den nächsten Jahren gilt nach und nach sauber abzuarbeiten, um perspektivisch an der Ausschreibung teilzunehmen. Unser erstes Etappenziel wird sein, eine hauptamtliche Stelle im Verein für die Leitung und die Koordination der Nachwuchsabteilung zu schaffen. Ebenfalls möchten wir unsere Schulkooperationen weiter vertiefen, es sollen noch mehr Kinder an weiteren Grundschulen im Rahmen der AG - Arbeit für unsere Sportart begeistert werden. Auch an weiterführenden Schulen möchten wir versuchen, für unsere Nachwuchsspieler während des Vormittagsunterrichts Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Außerdem haben wir zum Ziel, unsere Zusammenarbeit mit den Vereinen aus dem Umland weiter auszubauen.

 

Wie könnte perspektivisch eine Kooperation mit den anderen Leistungszentren in Sachsen aussehen?gruber kaufhof

Gruber: Wir kooperieren natürlich schon mit den Vereinen aus dem Umland. So können wir über Zweitspielrechte talentierten Spielern aus der Region die Möglichkeit geben, zusätzlich zum Spielbetrieb beim Heimverein sich auf den größeren Bühnen zu präsentieren und für Auswahlmaßnahmen zu empfehlen, ohne dabei den Verein vollständig wechseln zu müssen. Zusätzlich veranstalten wir mit anderen Talentstützpunkten wie dem SC DHfK Leipzig oder dem HC Elbflorenz aus Dresden interne Leistungsvergleiche, damit sich unsere Spieler permanent mit den Besten des Landes messen können.

 

Um den Jugendhandball in Chemnitz nachhaltig zu etablieren und weiterzuentwickeln ist Buteo unter anderem auch auf Sponsorengelder angewiesen, um beispielsweise Hallenzeiten, Trikots oder Trainingslager zu finanzieren und eine hauptamtliche Trainerstelle zu schaffen. Wie wollt ihr das angehen, um zukünftige Sponsoren von der Idee des Vereins zu überzeugen?

Gruber: Ich bin sicher, dass es viele potenzielle Sponsoren und Unterstützer in Chemnitz gibt, die uns bei unserer Arbeit auch nach Corona unterstützen möchten. Der Schlüssel zu guter Nachwuchsarbeit ist die Nachhaltigkeit. Gelder, auf die wir wie jeder andere Verein auch angewiesen sind, benötigen wir jedes Jahr aufs neue, denn Trainingslager, Hallenzeiten und Trainer müssen regelmäßig und nicht einmalig bezahlt werden. Wir sind also auf der Suche nach Partnern, die von unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen überzeugt sind, denn nur dann werden sie uns auch langfristig begleiten.Um genau solche Sponsoren, Spender und andere Geldgeber zu finden, haben wir eine breite Palette an Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen. Zum einen haben wir ein umfassendes Sponsorenkonzept erstellt und illustriert, außerdem bieten wir auch eine Fördermitgliedschaft an, bei der uns jeder mit 10 Euro monatlich unterstützen kann. Natürlich freuen wir uns über jede zusätzliche kleinere und größere Spende. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit diesen Mitteln und Möglichkeiten auch weitere Unterstützer von unseren Ideen und Projekten begeistern können.

 

Was wünscht du dir noch für die Zukunft?

Gruber: Ich würde mir wünschen, dass wir von der Stadt Chemnitz bei der Realisierung unserer Vorhaben ein bisschen Unterstützung bekommen. Denn wenn es um die Vergabe von den so wichtigen Hallenzeiten geht, steht der Handball in Chemnitz leider zu oft ganz hinten an. Es bekommt nur der Hallenzeiten, der sie schon immer hatte. Das bedeutet für viele Vereine, die deutlichen Zuwachs an Kindern haben, einen Mangel an Hallenzeiten und führt zu Zuständen, wo bis zu drei Mannschaften gleichzeitig trainieren müssen – das ist Chaos! Ich hoffe, dass mit Hallenneubauten sich die Lage bald wieder ein bisschen entspannt, für ein teures Fußballstadion war schließlich auch Geld da.

 

Vielen Dank für dein großes Engagement und das Gespräch und bleib gesund!

Hallo Lars! Du bist ja nicht nur Vereinspräsident hier bei Buteo, sondern auch Vizepräsident und Leiter der Spieltechnik bei der HSG Rottluff/Lok Chemnitz. Welche Auswirkungen könnte deiner Meinung nach der Corona-Virus auf die Vereine haben?

Eichler: Das ist tatsächlich schwierig vorherzusagen und hängt maßgeblich von den Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die Sponsoren ab. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen investieren oft in unseren Sport. Wenn hier harte Einschnitte entstehen, werden die sich auch in den Budgets der Vereine zeigen. Vereine, die ihren Spielbetrieb fast ausschließlich durch Spieler mit Gehältern ohne Nachwuchsarbeit aufgebaut haben, könnten hier ganz schnell zu den ganz großen Verlierern zählen. Aber vielleicht findet dann endlich auch ein Umdenken statt.

Aktuell investieren noch sehr viele Vereine der Sachsen- und Verbandsliga Vereinsgelder direkt in Gehälter für ihre Spieler. Ein paar Vereine lassen dafür die eigene Nachwuchsarbeit am langen Arm verhungern. Mit nachhaltigeren Investitionen in die Jugend ist die Zukunft eines Vereins deutlich besser gesichert. Und letztlich, in Krisenzeiten wie jetzt, sind auch die finanziellen Verpflichtungen des Vereins viel geringer

 

Wie könnten denn mögliche Szenarien für die aktuelle Saison 2019/20 und für die nahe Zukunft aussehen? Und wer entscheidet darüber?

Eichler: Nun, die Saison 2019/2020 wurde ja vor einer Woche offiziell im Nachwuchsbereich für beendet erklärt. Im Erwachsenenbereich ist es zwar noch nicht offiziell, aber eine Fortführung wäre schon aus organisatorischen Gründen praktisch unmöglich. Daher sehe ich die Saison als beendet an. Über die Folgerungen für die kommende Saison gibt es verschiedene Modelle, die von den Arbeitsgruppen im DHB aktuell diskutiert werden. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass zahlreiche Ligen ab Herbst mit Über- oder Unterkapazitäten spielen müssen und über Aufstieg oder Abstieg allein aus dem Meldeergebnis heraus entschieden wird. Die Verantwortlichen im HVS handeln hier zur Zeit sehr verantwortungsvoll und erwarten dazu zunächst Grundsatzentscheidungen des DHB. Von dort muss jetzt die Ansage kommen, welche Verfahren in allen Verbänden verbindlich anzuwenden sind.

 

Zur kommenden Spielzeit 2020/21 geht ja auch erstmals der HC Buteo Chemnitz in den Spielbetrieb. Hat die Ungewissheit über den Verlauf der aktuellen Situation auch Folgen für den Spielbetrieb der nächsten Saison und damit für unsere neu formierte D-Jugend?

Eichler: Nicht nur wir leiden unter der Tatsache, dass ein Trainingsbetrieb auf absehbare Zeit nicht möglich ist. Die Frage, wann die Sporthallen wieder geöffnet werden, wann die Kinder wieder hart an sich und ihrer Entwicklung arbeiten können, wird maßgeblich mitentscheiden, wie der Ablauf der kommenden Saison sein wird. An unserem Anspruch, uns immer mit den Besten zu messen und eine Qualifikation für die Sachsenliga anzustreben, ändert dies selbstverständlich nichts. Wie das dann genau aussieht, steht leider noch in den Sternen.

 

Danke für deinen Ausblick und deine Einschätzungen zur aktuellen Lage. Wir haben noch ein paar Fragen zum Handballclub Buteo. Was bedeutet eigentlich Buteo?

Eichler: Buteo bezeichnet den lateinischen Namen für den Bussard. Er ist in meinen Augen die Verkörperung von allem, was einen guten Handballer ausmacht: Schnelligkeit, Wendigkeit, Kraft und vor allem blitzschnelles entschlossenes Handeln, wenn es drauf ankommt. Ich wette, in einem sportlichen Wettstreit wäre ein Bussard einem Tiger in den meisten Punkten überlegen, von einem Dachs wollen wir ja gar nicht erst reden *zwinkert und lacht*

 

Viele Interessierte nehmen die Entwicklungen rund um den Handball in Chemnitz positiv war. Warum ist eine Neugründung eines weiteren Vereins notwendig? Und was macht Buteo denn anders als die HSG und andere Vorgänger wie zum Beispiel die NSG Handball Chemnitz?

Eichler: Zunächst denke ich, ist es schwierig, irgendeine Spielgemeinschaft als tatsächlichen „Vorgänger“ unseres Vereins zu bezeichnen. Mit der NSG Handball Chemnitz begannen im Jahr 2006 das erste Mal zwei Vereine im Jugendbereich zusammenzuarbeiten [A.d.R.: Chemnitzer PSV und SSV Chemnitz-Rottluff]. Auch die SG mit dem BSV Limbach-Oberfrohna einige Jahre später war ein gutes Modell. Zwei Vereine hatten ein gemeinsames Ziel und jeweils 1-2 Mannschaften, die gemeinsam etwas erreichen und die Spieler ihres Vereins weiterentwickeln wollten. In der HSG Rottluff/Lok Chemnitz funktioniert die Zusammenarbeit auf breitensportlicher Ebene komplett wunderbar und es macht Spaß, wobei das Grundprinzip der eigenen Vereinsarbeit weiterhin im Vordergrund bleibt.
Die Idee hinter Buteo dagegen ist eine vereinsübergreifende, vor allem aber klar leistungsorientierte Arbeit und das nicht nur in rein sportlicher Hinsicht. Wir wollen in erster Linie nicht für einen speziellen Verein ausbilden, sondern für die Region Chemnitz. Wir legen, trotz unserer engen Verbindungen zum SSV Chemnitz-Rottluff, Wert auf einen neutralen Status und eine eigenständige Arbeit. Mittelfristig sehen wir uns fast schon mehr als Dienstleister der anderen Vereine der Stadt und des Umlandes, die ihre Spieler zwar breitensportlich weiter selbstständig ausbilden, aber einzelne Talente individuell noch besser gefördert wissen wollen, ohne den Kontakt zu ihnen zu verlieren. Dazu favorisieren wir stets die Nutzung von Zweitspielrechten jedweder Art, solange es irgendwie möglich ist.

 

Du hast ja davon gesprochen, dass nicht nur der sportliche Aspekt entscheidend ist. Was für Fördermaßnahmen können denn Rundherum angeboten werden?

Eichler: Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Schule und die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zwei Dinge sind, die die meisten Vereine nur rudimentär oder gar nicht im Blickfeld haben. Das ist aber auch normal, dazu fehlt meistens einfach die Zeit. Wenn ein Kind jedoch vier Mal in der Woche trainieren möchte, dann müssen auch die schulischen Leistungen von Anfang an stabil sein. Dazu bieten wir Unterstützung bei der Hausaufgabenbetreuung, bei notwendiger Organisation schulischer Nachhilfe und integrieren dies soweit es geht in den Trainingsbetrieb.
Des Weiteren bieten wir allen Familien die Möglichkeit der Begleitung des Trainingsbetriebs durch Sportuntersuchungen zur frühzeitigen Erkennung von Krankheiten, gerade im Zusammenhang mit dem Wachstum der Jugendlichen. Hier treten im Alter zwischen 11 und 15 Jahren fast bei jedem Jugendlichen Probleme oder Schmerzen auf. Und einfach mal „ein paar Wochen komplett Pause machen“ ist eben in einem Mannschaftssport kein optimales Mittel. Hier gibt es andere Möglichkeiten.
Alles in allem muss das Dreieck Handball – Schule – Gesundheit in enger Zusammenarbeit mit den Eltern funktionieren. Das ist zentrales Element unseres Handelns.

 

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wer unterstützt euch denn bei den neuen Aufgabenfeldern abseits vom Handballparkett?

Eichler: In erster Linie benötigen wir natürlich von den Eltern die wichtigste Unterstützung. Sie verbringen die meiste Zeit mit den Sportlern, haben das Ohr jeden Tag am Draht. Ohne die Eltern kann zielgerichtete und fordernde Entwicklung mittelfristig nicht funktionieren.
Daneben bauen wir auf unsere Partner im Bereich der schulischen Nachhilfe und pädagogischen Entwicklung sowie auf Ärzte und Sportmediziner, alles unter Leitung des jeweils verantwortlichen Vorstands für die einzelnen Bereiche Pädagogik und Sportmedizin. Beide Bereiche entwickeln sich in nächster Zeit noch viel weiter denke ich. Allgemein sehe ich bei allen Mitgliedern in unserem Vorstand und im Verein zur Zeit ein tolles Engagement. Jeden Tag fliegen von irgendwo neue Ideen herein, die wir diskutieren und später umsetzen können.

 

Was sind denn die mittelfristigen Ziele? Aber auch mit Blick in die Zukunft, wo soll es einmal mit dem HC Buteo Chemnitz hingehen?

Eichler: *lacht* Also zunächst einmal hoffen wir, in der Zeit nach dem Virus, wann auch immer das sein mag, mit Vollgas starten zu können. Alles andere hängt natürlich auch davon ab, inwieweit wir die Unterstützung von Sponsoren gewinnen können. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass unser Projekt nicht nur des großen zeitlichen Aufwandes und des Herzbluts einiger Menschen bedarf, sondern auch ausreichend finanzieller Mittel, die wir allein aus den Mitgliedsbeiträgen nicht stemmen werden können.
Für die Zukunft: Konkret gefragt, muss Chemnitz nach Leipzig und Dresden die dritte Kraft im Nachwuchshandball in Sachsen werden. Ganz klar das erste Zwischenziel auf dem Weg dahin ist die mittelfristige Schaffung einer Vollzeitstelle für Handballtrainer. Wenn uns das gelingt, bieten
sich bei der Stadt und im Verband ganz neue Möglichkeiten der Förderung. Das ist die Hürde, die es zu überspringen gilt und dafür wollen wir hart arbeiten.

 

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Viel Erfolg für die Zukunft und bleib gesund!