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Aktuelle Hinweise zur Umsetzung der Corona-Verordnungen der Stadt Chemnitz

Nach dem Bund-Länderbeschluss vom 28.10.2020 bleiben die Sporthallen der Stadt Chemnitz vom 02.11.2020 bis zum 30.11.2020 für jeglichen Trainings- und Spielbetrieb geschlossen. Über eine eventuelle Verlängerung dieser Maßnahme entscheiden die maßgeblichen Gremien Mitte November.

Hallo Lars! Du bist ja nicht nur Vereinspräsident hier bei Buteo, sondern auch Vizepräsident und Leiter der Spieltechnik bei der HSG Rottluff/Lok Chemnitz. Welche Auswirkungen könnte deiner Meinung nach der Corona-Virus auf die Vereine haben?

Eichler: Das ist tatsächlich schwierig vorherzusagen und hängt maßgeblich von den Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die Sponsoren ab. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen investieren oft in unseren Sport. Wenn hier harte Einschnitte entstehen, werden die sich auch in den Budgets der Vereine zeigen. Vereine, die ihren Spielbetrieb fast ausschließlich durch Spieler mit Gehältern ohne Nachwuchsarbeit aufgebaut haben, könnten hier ganz schnell zu den ganz großen Verlierern zählen. Aber vielleicht findet dann endlich auch ein Umdenken statt.

Aktuell investieren noch sehr viele Vereine der Sachsen- und Verbandsliga Vereinsgelder direkt in Gehälter für ihre Spieler. Ein paar Vereine lassen dafür die eigene Nachwuchsarbeit am langen Arm verhungern. Mit nachhaltigeren Investitionen in die Jugend ist die Zukunft eines Vereins deutlich besser gesichert. Und letztlich, in Krisenzeiten wie jetzt, sind auch die finanziellen Verpflichtungen des Vereins viel geringer

 

 

Wie könnten denn mögliche Szenarien für die aktuelle Saison 2019/20 und für die nahe Zukunft aussehen? Und wer entscheidet darüber?

Eichler: Nun, die Saison 2019/2020 wurde ja vor einer Woche offiziell im Nachwuchsbereich für beendet erklärt. Im Erwachsenenbereich ist es zwar noch nicht offiziell, aber eine Fortführung wäre schon aus organisatorischen Gründen praktisch unmöglich. Daher sehe ich die Saison als beendet an. Über die Folgerungen für die kommende Saison gibt es verschiedene Modelle, die von den Arbeitsgruppen im DHB aktuell diskutiert werden. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass zahlreiche Ligen ab Herbst mit Über- oder Unterkapazitäten spielen müssen und über Aufstieg oder Abstieg allein aus dem Meldeergebnis heraus entschieden wird. Die Verantwortlichen im HVS handeln hier zur Zeit sehr verantwortungsvoll und erwarten dazu zunächst Grundsatzentscheidungen des DHB. Von dort muss jetzt die Ansage kommen, welche Verfahren in allen Verbänden verbindlich anzuwenden sind.

 

Zur kommenden Spielzeit 2020/21 geht ja auch erstmals der HC Buteo Chemnitz in den Spielbetrieb. Hat die Ungewissheit über den Verlauf der aktuellen Situation auch Folgen für den Spielbetrieb der nächsten Saison und damit für unsere neu formierte D-Jugend?

Eichler: Nicht nur wir leiden unter der Tatsache, dass ein Trainingsbetrieb auf absehbare Zeit nicht möglich ist. Die Frage, wann die Sporthallen wieder geöffnet werden, wann die Kinder wieder hart an sich und ihrer Entwicklung arbeiten können, wird maßgeblich mitentscheiden, wie der Ablauf der kommenden Saison sein wird. An unserem Anspruch, uns immer mit den Besten zu messen und eine Qualifikation für die Sachsenliga anzustreben, ändert dies selbstverständlich nichts. Wie das dann genau aussieht, steht leider noch in den Sternen.

 

Danke für deinen Ausblick und deine Einschätzungen zur aktuellen Lage. Wir haben noch ein paar Fragen zum Handballclub Buteo. Was bedeutet eigentlich Buteo?

Eichler: Buteo bezeichnet den lateinischen Namen für den Bussard. Er ist in meinen Augen die Verkörperung von allem, was einen guten Handballer ausmacht: Schnelligkeit, Wendigkeit, Kraft und vor allem blitzschnelles entschlossenes Handeln, wenn es drauf ankommt. Ich wette, in einem sportlichen Wettstreit wäre ein Bussard einem Tiger in den meisten Punkten überlegen, von einem Dachs wollen wir ja gar nicht erst reden *zwinkert und lacht*

 

Viele Interessierte nehmen die Entwicklungen rund um den Handball in Chemnitz positiv war. Warum ist eine Neugründung eines weiteren Vereins notwendig? Und was macht Buteo denn anders als die HSG und andere Vorgänger wie zum Beispiel die NSG Handball Chemnitz?

Eichler: Zunächst denke ich, ist es schwierig, irgendeine Spielgemeinschaft als tatsächlichen „Vorgänger“ unseres Vereins zu bezeichnen. Mit der NSG Handball Chemnitz begannen im Jahr 2006 das erste Mal zwei Vereine im Jugendbereich zusammenzuarbeiten [A.d.R.: Chemnitzer PSV und SSV Chemnitz-Rottluff]. Auch die SG mit dem BSV Limbach-Oberfrohna einige Jahre später war ein gutes Modell. Zwei Vereine hatten ein gemeinsames Ziel und jeweils 1-2 Mannschaften, die gemeinsam etwas erreichen und die Spieler ihres Vereins weiterentwickeln wollten. In der HSG Rottluff/Lok Chemnitz funktioniert die Zusammenarbeit auf breitensportlicher Ebene komplett wunderbar und es macht Spaß, wobei das Grundprinzip der eigenen Vereinsarbeit weiterhin im Vordergrund bleibt.
Die Idee hinter Buteo dagegen ist eine vereinsübergreifende, vor allem aber klar leistungsorientierte Arbeit und das nicht nur in rein sportlicher Hinsicht. Wir wollen in erster Linie nicht für einen speziellen Verein ausbilden, sondern für die Region Chemnitz. Wir legen, trotz unserer engen Verbindungen zum SSV Chemnitz-Rottluff, Wert auf einen neutralen Status und eine eigenständige Arbeit. Mittelfristig sehen wir uns fast schon mehr als Dienstleister der anderen Vereine der Stadt und des Umlandes, die ihre Spieler zwar breitensportlich weiter selbstständig ausbilden, aber einzelne Talente individuell noch besser gefördert wissen wollen, ohne den Kontakt zu ihnen zu verlieren. Dazu favorisieren wir stets die Nutzung von Zweitspielrechten jedweder Art, solange es irgendwie möglich ist.

 

Du hast ja davon gesprochen, dass nicht nur der sportliche Aspekt entscheidend ist. Was für Fördermaßnahmen können denn Rundherum angeboten werden?

Eichler: Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Schule und die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zwei Dinge sind, die die meisten Vereine nur rudimentär oder gar nicht im Blickfeld haben. Das ist aber auch normal, dazu fehlt meistens einfach die Zeit. Wenn ein Kind jedoch vier Mal in der Woche trainieren möchte, dann müssen auch die schulischen Leistungen von Anfang an stabil sein. Dazu bieten wir Unterstützung bei der Hausaufgabenbetreuung, bei notwendiger Organisation schulischer Nachhilfe und integrieren dies soweit es geht in den Trainingsbetrieb.
Des Weiteren bieten wir allen Familien die Möglichkeit der Begleitung des Trainingsbetriebs durch Sportuntersuchungen zur frühzeitigen Erkennung von Krankheiten, gerade im Zusammenhang mit dem Wachstum der Jugendlichen. Hier treten im Alter zwischen 11 und 15 Jahren fast bei jedem Jugendlichen Probleme oder Schmerzen auf. Und einfach mal „ein paar Wochen komplett Pause machen“ ist eben in einem Mannschaftssport kein optimales Mittel. Hier gibt es andere Möglichkeiten.
Alles in allem muss das Dreieck Handball – Schule – Gesundheit in enger Zusammenarbeit mit den Eltern funktionieren. Das ist zentrales Element unseres Handelns.

 

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wer unterstützt euch denn bei den neuen Aufgabenfeldern abseits vom Handballparkett?

Eichler: In erster Linie benötigen wir natürlich von den Eltern die wichtigste Unterstützung. Sie verbringen die meiste Zeit mit den Sportlern, haben das Ohr jeden Tag am Draht. Ohne die Eltern kann zielgerichtete und fordernde Entwicklung mittelfristig nicht funktionieren.
Daneben bauen wir auf unsere Partner im Bereich der schulischen Nachhilfe und pädagogischen Entwicklung sowie auf Ärzte und Sportmediziner, alles unter Leitung des jeweils verantwortlichen Vorstands für die einzelnen Bereiche Pädagogik und Sportmedizin. Beide Bereiche entwickeln sich in nächster Zeit noch viel weiter denke ich. Allgemein sehe ich bei allen Mitgliedern in unserem Vorstand und im Verein zur Zeit ein tolles Engagement. Jeden Tag fliegen von irgendwo neue Ideen herein, die wir diskutieren und später umsetzen können.

 

Was sind denn die mittelfristigen Ziele? Aber auch mit Blick in die Zukunft, wo soll es einmal mit dem HC Buteo Chemnitz hingehen?

Eichler: *lacht* Also zunächst einmal hoffen wir, in der Zeit nach dem Virus, wann auch immer das sein mag, mit Vollgas starten zu können. Alles andere hängt natürlich auch davon ab, inwieweit wir die Unterstützung von Sponsoren gewinnen können. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass unser Projekt nicht nur des großen zeitlichen Aufwandes und des Herzbluts einiger Menschen bedarf, sondern auch ausreichend finanzieller Mittel, die wir allein aus den Mitgliedsbeiträgen nicht stemmen werden können.
Für die Zukunft: Konkret gefragt, muss Chemnitz nach Leipzig und Dresden die dritte Kraft im Nachwuchshandball in Sachsen werden. Ganz klar das erste Zwischenziel auf dem Weg dahin ist die mittelfristige Schaffung einer Vollzeitstelle für Handballtrainer. Wenn uns das gelingt, bieten
sich bei der Stadt und im Verband ganz neue Möglichkeiten der Förderung. Das ist die Hürde, die es zu überspringen gilt und dafür wollen wir hart arbeiten.

 

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Viel Erfolg für die Zukunft und bleib gesund!